Laudomia Forteguerri & Margarethe von Österreich

Laudomia Forteguerri & Margarete von Österreich

Margarethe von Österreich

Laudomia Forteguerri war eine Dichterin aus Siena. Von ihren sechs erhaltenen Sonetten richten sich fünf an Margarethe von Österreich, die uneheliche Tochter Kaiser Karls V. und spätere Herzogin von Parma. Die beiden trafen einander 1533 oder 1536, vermutlich im Umfeld höfischer und literarischer Kreise. Laudomia war damals etwa siebzehn oder zwanzig Jahre alt, Margarethe sieben Jahre jünger. Trotz dieses Altersunterschieds beschrieben Zeitgenossen ihre Begegnung als unmittelbare gegenseitige Anziehung. Alessandro Piccolomini schrieb, kaum hätten die beiden einander gesehen, seien sie von den „glühendsten Flammen der Liebe“ erfasst worden. Als sichtbares Zeichen nannte er ihre häufigen gegenseitigen Besuche.
 
Laudomias Gedichte sprechen Margarethe als geliebte Frau an. Sie bitten um Nähe, Trost und Erwiderung. Margarethe erscheint in den Texten als „diva“, als göttlich erhöhte Frau, deren Schönheit und Gegenwart Laudomia zugleich beglücken und quälen. Die Sprecherin beschreibt sich als gefesselt, leidend und abhängig von der Geliebten. Sie bittet darum, aus ihrem Elend erlöst und nahe bei ihrer „Göttin“ gehalten zu werden. Die Sprache folgt Formen der petrarkistischen Liebesdichtung: Verehrung aus der Ferne, Schmerz, Sehnsucht, Unterwerfung, das Bild der unerreichbaren Geliebten. Ungewöhnlich ist hier, dass diese Rolle einer Frau gilt.
 
Weibliche Liebe wurde in der Renaissance nicht automatisch verfolgt. Sappho galt als Vorbild weiblicher Dichtung, leidenschaftliche Freundschaft zwischen Frauen konnte als keusch und edel gelten. Gerade im Umfeld humanistischer Literatur gab es sprachliche Räume, in denen Frauen einander bewundern, preisen und emotional ansprechen konnten.
 
Sexuelle Handlungen zwischen Frauen wurden dagegen als sündhaft und „widernatürlich“ bewertet, auch wenn sie deutlich seltener vor Gericht erscheinen als sexuelle Handlungen zwischen Männern. Weibliche Sexualität wurde häufig nur eingeschränkt als eigenständige Handlungsmacht wahrgenommen. Deshalb konnten innige Worte zwischen Frauen leichter als Freundschaft oder literarische Übung gedeutet werden, solange sie keine offen körperliche Sprache verwendeten.
Laudomias Sonette bewegen sich bewusst auf der sicheren Seite dieser Grenze: zärtlich, abhängig, leidenschaftlich, aber ohne offene sexuelle Sprache. Die Gedichte nennen Verlangen, Nähe und Schmerz, vermeiden aber eindeutige körperliche Beschreibung. Gerade deshalb konnten sie veröffentlicht werden.


Herzogin Margarethe von Parma (1522-1586)
Gemälde von Anthonis Mor
Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie, 585B

Sonett für Margarethe

Glücklicher Spross, dem Himmel so willkommen,
in dem die Natur ihr Äußerstes vereinte,
als sie beschloss, so große Schönheit zu schaffen:
Ich spreche von meiner Göttin, Margarete von Österreich.
 
Ich weiß wohl, dass sie den Himmel nie verlassen hat.
Doch um uns die göttlichen Dinge zu zeigen,
meißelte Gott sie und formte sie mit eigener Hand,
so sehr ist sie ihm lieb und teuer.
 
Wenn Gott uns ein so reiches Geschenk gemacht hat,
um uns die Herrlichkeit seines Reiches zu zeigen,
so weigert Euch nicht, mir einen Teil davon zu zeigen.
 
Und wenn ich Euch ein Pfand meines Herzens gelassen habe,
so schickt mir im Gegenzug ein kunstvolles Bildnis von Euch
dorthin, wo auch meine Augen sind.

freie Übersetzung
 
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