Hermann Hußmann

Hermann Hußmann

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Hermann Hußmann wurde am 20. Dezember 1908 in Bochum-Riemke geboren. Er wuchs in einer katholischen Bergarbeiterfamilie auf und lebte mit seiner Familie in der Bergarbeitersiedlung „Im Mühlental“. Nach der Volksschule in Hofstede begann er auf der Zeche Constantin der Große, Schachtanlage II, zu arbeiten. Damit folgte er dem Weg seines Vaters und vieler Männer aus seinem Umfeld.
 
Schon als Jugendlicher machte Hußmann nach eigenen Angaben erste gleichgeschlechtliche Erfahrungen. Im Verhör vom 6. Februar 1943 berichtete er, dass er mit sechzehn Jahren sexuelle Kontakte zu einem Freund aus Schule und Zeche gehabt habe. Später suchte er weiter Kontakte zu Männern, vor allem in Bochum. Aus den Ermittlungsakten geht außerdem eine langjährige enge Beziehung zu einem Mann aus Düsseldorf hervor.
 
Unter dem NS-Regime wurden homosexuelle Männer systematisch überwacht, kriminalisiert und verfolgt. Grundlage war der 1935 verschärfte § 175, der sexuelle Handlungen zwischen Männern deutlich weiter fasste als zuvor. Für Hußmann bedeutete das, dass nicht nur einzelne Kontakte, sondern sein ganzes soziales und emotionales Leben gegen ihn verwendet werden konnte. Im Februar 1943 wurde er festgenommen, verhört und angeklagt. Die Polizei beschlagnahmte Briefe, Fotos und persönliche Unterlagen. Im April 1943 erfolgte die Anklage wegen „Sittlichkeitsverbrechen“ und unter anderem nach §§ 175, 20a und 42e. Diese Paragraphen konnten Betroffene zusätzlich als „gefährlich“ oder „gewohnheitsmäßig“ kriminalisieren.


Einlieferung von Hußmann in die Untersuchungshaftanstalt am 9. Februar 1943
Landesarchiv Westfalen, Münster, Staatsanwaltschaft Bochum, Nr. 7414
mitteilung über tod hußmanns

Hußmann befand sich seit dem 9. Februar 1943 in Untersuchungshaft in Bochum. Die Begründung lautete „Unzucht mit Männern“. Zu einem Prozess kam es nicht mehr. Laut Mitteilung der Untersuchungshaftanstalt starb Hermann Hußmann am 11. Mai 1943 durch Suizid. Ob diese offizielle Darstellung die historischen Vorgänge vollständig wiedergibt, lässt sich nach heutiger Quellenlage nicht mehr zweifelsfrei rekonstruieren.
 
Vieles spricht dafür, dass er dem massiven Druck von Verfolgung, drohender Verurteilung und möglicher weiterer Haft nicht mehr standhielt. Für einen Bergmann aus einer katholischen Arbeitersiedlung bedeutete die Verhaftung auch den Verlust von Schutzräumen: Familie, Arbeit, Nachbarschaft und Ruf waren unmittelbar betroffen. Heute erinnern in Bochum eine Straße und ein Stolperstein an Hermann Hußmann.


Mitteilung der Untersuchungshaftanstalt in der ABC-Straße an das Amtsgericht Bochum über den Tod von Hermann Hußmann
Landesarchiv Westfalen, Münster, Staatsanwaltschaft Bochum, Nr. 7414
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