Pits & Perverts

Pits & Perverts

Solidarität im Streik

LGSM

Lesbians and Gays Support the Miners (LGSM) entstand während des britischen Bergarbeiterstreiks 1984/85. Als tausende Bergleute gegen Zechenschließungen, Arbeitsplatzverlust und die Zerstörung ganzer Industrieregionen kämpften, sammelten lesbische und schwule Aktivistinnen und Aktivisten in London Geld für streikende Familien. Die ersten Spenden wurden 1984 bei der London Pride gesammelt; bald traf sich die Gruppe regelmäßig im Umfeld des Buchladens Gay’s the Word und später in größeren Räumen. Unterstützt wurden besonders Bergarbeitergemeinden in Südwales, vor allem im Raum Neath, Dulais und Swansea Valleys, wo der Ausstand monatelang existenzielle Folgen hatte. 

LGSM sammelte Geld vor Clubs, in Pubs, auf der Straße und bei Veranstaltungen. Die Spenden gingen an lokale Streikkomitees und Familien, deren Einkommen weggebrochen war. Eine der bekanntesten Aktionen war das Benefizkonzert „Pits and Perverts“ am 10. Dezember 1984 im Electric Ballroom in Camden. Headliner war Bronski Beat mit Jimmy Somerville. Der Titel griff eine homophobe Beschimpfung auf und kehrte sie um. Das Konzert brachte mehrere tausend Pfund ein; mit den Spenden wurde unter anderem ein Minibus für die walisischen Bergarbeiterfamilien finanziert.

Auf den ersten Blick trafen sehr unterschiedliche Lebenswelten aufeinander: städtische queere Szenen einerseits, traditionell geprägte Bergarbeitergemeinden andererseits. Doch beide Gruppen kannten staatlichen Druck, mediale Hetze, Vorurteile und politische Isolation. Die Bergarbeiter standen unter massivem Druck der Thatcher-Regierung, ihre Streikkassen wurden blockiert, ihre Gemeinden polizeilich überwacht und in der Presse häufig als rückständig oder gewalttätig dargestellt. Lesben und schwule Männer lebten ebenfalls mit Polizeikontrollen, medialer Diffamierung und rechtlicher Ungleichheit. Die Aids-Krise verstärkte in diesen Jahren zusätzlich öffentliche Stigmatisierung.

Die Allianz lebte von persönlichen Begegnungen. Aktivistinnen und Aktivisten aus London besuchten die walisischen Gemeinden; Bergarbeiter und ihre Familien kamen nach London, sammelten Spenden, sprachen auf Veranstaltungen und lernten queere Räume kennen. Aus Geldsammlungen wurden gegenseitige Besuche, gemeinsame Feste, politische Gespräche und dauerhafte Kontakte. In Onllwyn und anderen Orten wurde LGSM nicht nur als externe Unterstützungsgruppe wahrgenommen, sondern als verlässlicher Teil des Streiknetzwerks.

Das Bündnis veränderte beide Seiten. In Teilen der Gewerkschaftsbewegung wuchs die Unterstützung und Verständnis für die Anliegen von LGBTQ+ Menschen. Innerhalb queerer Bewegungen rückten soziale und ökonomische Kämpfe stärker als gemeinsames politisches Thema in den Blick. Später unterstützten Bergarbeiterdelegationen öffentlich die Gleichstellung homosexueller Menschen und marschierten auch bei der London Pride. 

Solidarität setzt keine Gleichheit voraus. Sie entsteht oft dort, wo unterschiedliche Gruppen vergleichbare Erfahrungen mit Ausgrenzung, Prekarität oder Machtverlust machen und getrennte Kämpfe als verbunden erkennen. Wer arbeitet, Sorgearbeit leistet oder von Lohn abhängig lebt, ist trotz verschiedener Lebensrealitäten häufig mit ähnlichen Fragen konfrontiert: Sicherheit, Würde, Wohnraum, Teilhabe, Anerkennung.

 


Mitglieder von LGSM und Bergarbeiter tanzen in der Welfare Hall in Dulais Valley, Wales. Siân James im geblümten Kleid und Jonathan Blake in der karierten Hose waren zentrale Figuren der Bewegung.
People’s History Museum, LGSM Archives

Stop the Police State

„Stop the Police State“ richtet sich gegen die massive Polizeigewalt während des britischen Bergarbeiterstreiks 1984. Der Slogan sprach aber auch andere marginalisierte Gruppen an: Lesben und Schwule, antirassistische Initiativen und linke Bewegungen erkannten darin ihren eigenen Kampf gegen Überwachung, Kriminalisierung und staatliche Kontrolle.

Streik-Poster
1984
Produziert von SOGAT (Society of Graphical and Allied Trades) für die National Union of Mineworkers
National Coal Mining Museum, YKSMM:2005.1

 
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