Gerd Katter

Gerd Katter

Gerd Katter

Gerd Katter wurde 1910 in Berlin geboren und erhielt bei der Geburt den Namen Eva. Schon als Jugendlicher lebte er als Mann und suchte Unterstützung am Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld. Das Institut war in der Weimarer Republik eine der wichtigsten Anlaufstellen für Menschen, die wegen ihrer Sexualität oder Geschlechtsidentität medizinische Beratung, Gutachten oder Schutz vor polizeilichen Eingriffen brauchten.
 
Mit sechzehn Jahren kam Katter als Patient an das Institut. Dort unterzog er sich geschlechtsangleichenden Operationen, darunter eine Mastektomie.
Später wurde er an der Berliner Hochschule der Polizei in Seminaren vorgestellt. Diese Vorführungen sollten Polizisten mit Menschen vertraut machen, die damals unter dem Begriff „Transvestiten“ geführt wurden. Der Begriff war in der Weimarer Republik weiter gefasst als heute und konnte auch Menschen meinen, die wir heute als trans beschreiben würden.


Gerd Katter
ca. 1929
US Holocaust Memorial Museum, courtesy of Magnus-Hirschfeld Gesellschaft
Magnus Hirschfeld mit Tao Li und Bernhard Schapiro

1928 stellte das Institut Katter ein ärztliches Attest aus. Darin wurde festgehalten, dass es für sein seelisches Wohlbefinden und seine Arbeitsfähigkeit notwendig sei, Kleidung des männlichen Geschlechts tragen zu können. Am 6. Dezember 1928 erhielt er von der Berliner Polizei einen sogenannten „Transvestitenschein“. Das Dokument vermerkte, dass Katter der Polizei als Person bekannt war, die Männerkleidung trug.
 
Solche Bescheinigungen boten bei Kontrollen einen gewissen Schutz, zugleich verdeutlichen sie, wie abhängig trans und gendernonkonforme Menschen von medizinischer Begutachtung und polizeilicher Duldung waren. Katters Papiere blieben an seinen amtlichen Geburtsnamen gebunden, während er im Alltag als Mann lebte. Er machte später eine Tischlerlehre und arbeitete unter anderem als Versicherungsvertreter.
 
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Hirschfelds Institut 1933 geplündert und zerstört. Viele Akten, Bücher und Sammlungsstücke wurden verbrannt oder zerstreut. Katter überlebte die NS-Zeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte er in der DDR weiterhin als Mann. Später wohnte er in Birkenwerder in Brandenburg. Dort trat er auch als Sänger bei Veranstaltungen auf. Gerd Katter starb 1995 in Birkenwerder.


Gerd Katters ärztliche Bescheinigung, unterzeichnet von Magnus Hirschfeld
23. November 1928
US Holocaust Memorial Museum, courtesy of Magnus-Hirschfeld Gesellschaft
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