Michelangelo Buonarotti & Tommaso De' Cavalieri
Michelangelo Buonarotti ist einer der berühmtesten Bildhauer und Künstler der Renaissance. Für seine Skulpturen war die Qualität des Marmors entscheidend. Er wählte Blöcke selbst aus, prüfte Farbe, Adern und Fehler im Stein und hielt sich wiederholt in den Marmorbrüchen von Carrara und Pietrasanta auf. Dort gab er genaue Anweisungen zu Größe, Form und Abbau der Blöcke.
Michelangelo verband ab 1532 eine enge emotionale Beziehung mit dem deutlich jüngeren römischen Adligen Tommaso de’ Cavalieri. Zeitgenossen rühmten Cavalieris Schönheit, Bildung und vornehme Haltung. Michelangelo war von ihm tief beeindruckt und schenkte ihm ausgearbeitete Zeichnungen, darunter mythologische Blätter wie den Sturz des Phaeton und Tityus. Auch widmete er Cavalieri zahlreiche Sonette, in denen Bewunderung und Sehnsucht deutlich werden. Die Gedichte gehören zu den bekanntesten Zeugnissen gleichgeschlechtlicher Liebe der Renaissance. Michelangelo verband körperliche Schönheit, geistige Liebe und religiöse Vorstellungen eng miteinander.
Ob die Beziehung körperlich war, lässt sich nicht belegen. Spätere Herausgeber griffen jedoch in die Überlieferung ein: Als Michelangelos Gedichte 1623 gedruckt wurden, wurden männliche Bezüge teils abgeschwächt oder in weibliche umgedeutet. Die Beziehung blieb über Jahrzehnte bestehen. Cavalieri war 1564 auch an Michelangelos Sterbebett.
Michelangelo Buonarotti (1475-1564)
Daniele da Volterra zugeschrieben
Öl auf Leinwand, ca. 1545
Metropolitan Museum of Arts, Department of European Paintings, 1977.384.1
Der Genius des Sieges
Ein Bildnis Tommasos?
Genius des Sieges
Michelangelo Buonarotti
Marmorstatue, ca. 1532-1534
Gallerie degli Uffizi, Florenz
S'i' avessi creduto al primo sguardo
Michelangelos Sonett 61
Hätt ich geahnt, als ich zuerst Dich schaute
dass mich die warme Sonne Deiner Blicke
Verjüngen würde und mit dem Geschicke
Feuriger Glut im Alter noch betraute,
Ich wäre, wie der Hirsch, der Luchs, der Panther
Entflohen jeder schnöden Schicksalstücke
und wäre hingeeilt zu meinem Glücke,
Längst wären wir begegnet dann einander!
Doch warum gräm ich mich, wo ich nun finde
In Deinen Engelsaugen meinen Frieden,
All meine Ruhe und mein ganzes Heil?
Vielleicht wär damals mir dies Angebinde
noch nicht geworden, das mir nun beschieden,
Seit Deiner Tugend Fittich ward mein Teil
Übersetzung von Rainer Maria Rilke