Friedrich Alfred Krupp

Friedrich Alfred Krupp

Friedrich Alfred Krupp

Friedrich Alfred Krupp wurde 1854 in Essen geboren. 1887 übernahm er nach dem Tod seines Vaters Alfred Krupp das Unternehmen, das inzwischen zu einem der größten Industriekonzerne Europas geworden war. Krupp produzierte Stahl, Eisenbahnmaterial, Schiffe und Rüstungsgüter. Dafür brauchte die Firma dauerhaft große Mengen Kohle und Eisenerz. Um diese Versorgung nicht dem Markt zu überlassen, kaufte Krupp Bergwerke, Bergwerksanteile und Hüttenbetriebe. Der Konzern kontrollierte damit immer größere Teile der eigenen Produktionskette, vom Abbau der Rohstoffe bis zum fertigen Stahlprodukt.
 
Friedrich Alfred Krupp führte das Unternehmen weiter aus. Unter ihm wuchs die Produktion, die Firma entwickelte neue Stahllegierungen, baute ihre Rüstungsgeschäfte aus und wurde noch stärker mit dem deutschen Kaiserreich verbunden. Krupp war Unternehmer, Reichstagsabgeordneter und enger Vertrauter Wilhelms II. Zugleich blieb er gesundheitlich angeschlagen und verbrachte seit den späten 1890er Jahren regelmäßig längere Zeit auf Capri. Dort interessierte er sich für Meeresforschung, finanzierte wissenschaftliche Arbeiten und ließ die berühmte Via Krupp anlegen, einen Serpentinenweg zwischen der Höhe von Capri und Marina Piccola.
 
Seit den späten 1890er Jahren verbrachte Krupp regelmäßig längere Zeit auf Capri. Er finanzierte meeresbiologische Forschungen, lebte zeitweise im Grand Hotel Quisisana und ließ die Via Krupp zwischen der Höhe von Capri und der Marina Piccola anlegen. Zu seinem Umfeld gehörte die Congrega di Fra Felice, ein Kreis von Bekannten und Begleitern. Im Winter 1901/1902 ließ Krupp an der Marina Piccola eine Höhle ausbauen. Sie war als privater Ort für Treffen und Feste dieses Kreises gedacht.
 
An diese Höhle knüpfte sich 1902 der Skandal. Italienische Zeitungen warfen Krupp vor, dort sexuelle Treffen mit jungen Männern organisiert zu haben. Zugleich kursierte die Vermutung, ein Journalist habe die Vorwürfe zur Erpressung genutzt. Krupp erfuhr im Juni 1902 von den Anschuldigungen. Im Oktober griff ihn die italienische Zeitung „Propaganda“ öffentlich an. Am 15. November berichtete auch der sozialdemokratische
„Vorwärts“ über den Fall und bezeichnete Krupp als homosexuell; im selben Zusammenhang forderte die Zeitung die Abschaffung des Paragrafen 175.
 
Ob die Vorwürfe zutrafen, bleibt umstritten. Die Berichte entstanden in einem Klima aus politischer Gegnerschaft, Sensationspresse, Klassenkampf und Homophobie. Krupp bestritt die Anschuldigungen und klagte gegen die Zeitung. Auch Kaiser Wilhelm II. stellte sich öffentlich hinter ihn. Gleichzeitig hielten sich die Gerüchte hartnäckig.
Zu Giovanni Sangiorgio, einem jungen Mann aus Capri, bestand über Jahre eine enge, möglicherweise homoerotische Verbindung. Der Kontakt begann vermutlich bereits Ende der 1880er Jahre. Ob daraus eine Liebesbeziehung wurde, lässt sich nicht sicher belegen. Wenige Tage nach dem Artikel im Vorwärts starb Krupp am 22. November 1902 in der Villa Hügel in Essen. Offiziell wurde ein Schlaganfall angegeben. Mehrere Zeitungen vermuteten Suizid.
 
Nach Friedrich Alfred Krupps Tod ging das Unternehmen an seine Tochter Bertha und ihren Ehemann Gustav von Bohlen Halbach über. Gustav und später der Sohn Alfried führten das Unternehmen weiter, das während der Weimarer Republik und später dem Nationalsozialismus wieder zu den wichtigsten Waffenproduzenten des Regimes zählte. Im Konzern arbeiteten auch KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter:innen. Nach 1945 wurde Alfried Krupp im Nürnberger Krupp-Prozess verurteilt, später begnadigt und erhielt sein Vermögen zurück.


Radierung eines Porträts von Friedrich Alfred Krupp
Radierung angefertigt von Albert Krüger, 1898
Originales Gemälde von Ludwig Noster, 1896
Deutsches Bergbau-Museum Bochum – Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen, 030350540001
Arndt von Bohlen und Halbach

Arndt von Bohlen und Halbach

Mit Arndt von Bohlen und Halbach, Alfrieds einzigem Sohn, wiederholten sich andere Motive der Familiengeschichte: Reichtum, Skandal, Homosexualität und die Frage, wer den Namen Krupp tragen durfte. An Arndt haftete die Herkunft aus der Familie eines zentralen NS-Rüstungskonzerns. Zugleich machte ihn sein Lebensstil angreifbar und unbeliebt. Er war ein schwerreicher homosexueller Erbe, exzentrisch, sichtbar und früh auf die Rolle des Außenseiters festgelegt.
 
Arndt war als Erbe vorgesehen, verzichtete 1966 aber auf Unternehmen und Namen. Dafür erhielt er eine hohe jährliche Apanage. Er lebte als Jetset-Erbe zwischen Kitzbühel, Sylt, Marrakesch, Palm Beach und München. Seine Homosexualität war öffentlich bekannt, sein Auftreten bot der Boulevardpresse ständig Stoff. 1986 starb Arndt mit 48 Jahren in München


Arndt Krupp
Quelle: kuladig.de
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