Edward II von England
Edward II. von England regierte ein Königreich, dessen Kriege und Machtkämpfe enorme Geldmittel verschlangen. Die Feldzüge gegen Schottland, der Konflikt um königliche Autorität und die Spannungen mit Frankreich erhöhten den Bedarf an Münzgeld, Waffen, Ausrüstung und administrativer Kontrolle. Bergbau war dabei Teil der königlichen Ressourcenpolitik: Silber und silberhaltiges Blei speisten die Münzwirtschaft, Blei wurde für Bau, Dächer, Wasserleitungen und militärische Infrastruktur gebraucht. Die Silber-Blei-Gruben von Bere Ferrers in Devon standen seit Edward I. unter direkter Verwaltung der Krone und wurden auch während Edwards Regierung weitergeführt.
Einige dieser Konflikte hingen eng mit Edwards Beziehungen zu Männern zusammen. Edward II. wurde 1284 geboren und 1307 König von England. Schon früherregte seine enge Beziehung zu Piers Gaveston Misstrauen am Hof. Gaveston war ein Adliger aus der Gascogne und gehörte seit Edwards Jugend zu seinem engsten Umfeld. Nach seiner Thronbesteigung überschüttete Edward ihn mit Titeln, Besitz und politischem Einfluss. Für viele englische Barone war das eine Provokation. Sie warfen Gaveston Hochmut, Machtmissbrauch und unangemessene Nähe zum König vor.
Zeitgenössische Chroniken schreiben, der König habe Gaveston „über alle Sterblichen“ geliebt und verglichen ihre Beziehung mit David und Jonathan, deren Liebe im Alten Testament als stärker als die Liebe zu Frauen beschrieben wird. Gaveston erhielt Ehren, Besitz und Zugang zum König in einem Ausmaß, das am Hof als bedrohlich empfunden wurde.
Edward war seit 1308 mit Isabella von Frankreich verheiratet, der Tochter des französischen Königs Philipp IV. Die Ehe war politisch bedeutend und brachte vier Kinder hervor, darunter den späteren König Edward III. Glücklich war sie jedoch kaum. Isabella stand am englischen Hof oft im Schatten von Edwards Favoriten. Schon bei der Krönung sorgte Gavestons herausgehobene Stellung für Empörung: Er trug eine besonders prächtige Kleidung, ging unmittelbar vor dem König und erhielt eine Sichtbarkeit, die viele als Beleidigung der jungen Königin verstanden. Später wurde Isabella wiederholt in politische Entscheidungen hineingezogen, ohne selbst verlässlich Einfluss auf ihren Mann zu haben.
Gaveston wurde 1312 von oppositionellen Adligen gefangen genommen und hingerichtet. Edward verlor damit den Menschen, dem er am engsten verbunden war. Der Konflikt mit dem Adel beruhigte sich dadurch nicht.
Nach Gavestons Tod gewann Hugh Despenser der Jüngere eine ähnliche Stellung beim König. Auch er erhielt Besitz, Ämter und direkten Zugang zu Edward. Die Nähe zwischen Edward und Despenser wurde von Gegnern erneut als unzulässige Abhängigkeit beschrieben. Despenser nutzte seine Stellung rücksichtslos aus, seine Familie bereicherte sich, enteignete Gegner und machte sich am Hof verhasst.
Isabellas Verhältnis zu Edward verschlechterte sich in diesen Jahren weiter. 1324 entzog Edward ihr Besitz, Einkommen und Teile ihres Haushalts, offiziell wegen des Kriegs mit Frankreich. Tatsächlich stand sie zunehmend isoliert da, während Despenser immer mehr Macht gewann. 1325 reiste Isabella nach Frankreich, um in einem Konflikt zwischen England und Frankreich zu vermitteln. Dort kehrte sie nicht mehr an Edwards Hof zurück. Sie verbündete sich mit Roger Mortimer, einem Gegner des Königs und der Despensers. Zwischen Isabella und Mortimer entstand eine politische und persönliche Beziehung, die Edward zusätzlich schwächte.
1326 landeten Isabella und Mortimer mit einem kleinen Heer in England. Edwards Herrschaft brach rasch zusammen. Viele Adlige wechselten die Seite, Hugh Despenser der Ältere wurde hingerichtet, Hugh Despenser der Jüngere gefangen genommen, öffentlich verurteilt und grausam getötet. Edward floh, wurde gefasst und Anfang 1327 zur Abdankung gezwungen. Sein Sohn wurde als Edward III. zum König gemacht, während Isabella und Mortimer zunächst die tatsächliche Macht ausübten.
Edward starb im September 1327 auf Berkeley Castle. Die genauen Umstände sind ungeklärt. Spätere Berichte erzählen von einer besonders grausamen Ermordung mit einem glühenden Eisen, doch diese Version ist erst später greifbar und wird von der Forschung vorsichtig behandelt. Sicher ist, dass Edward nach seiner Absetzung als politisches Risiko galt. Sein Grabmal in der Kathedrale von Gloucester wurde bald zu einem wichtigen Erinnerungsort.
Detail des Grabmahls Edward II
Gloucester Cathedral, England
Fotografie von Philip Halling
geograph.org.uk, SO8318 (CC BY-SA 2.0)