Bukhontxana

Bukhontxana

"Mine marriages" in Südafrika

Schwarze, Chinesische und Weiße Arbeiter in einer Goldgrube in Südafrika

Unter südafrikanischen Bergarbeitern entstanden seit dem späten 19. Jahrhundert gleichgeschlechtliche Beziehungen, die in der Sprache der Arbeiter als Bukhontxana bekannt waren und oft als „mine marriages“ (Bergwerks-Ehen) beschriebenen wurden. In den männerdominierten Bergarbeiterlagern, aus denen Frauen weitgehend ausgeschlossen waren, nahmen ältere Arbeiter jüngere Männer als zeitweilige „Ehefrauen“ auf. Diese jüngeren Partner wurden in den Quellen oft als „wives of the mine“ beschrieben. Sie übernahmen häusliche Arbeiten, wuschen, kochten, kümmerten sich um persönliche Dinge und teilten nachts das Bett mit ihren „Ehemännern“.
 
Die Beziehungen folgten eigenen Regeln. In späteren Berichten ist von Umteto ka Sokisi die Rede, einem Verhaltenskodex, der Werbung, Geschenke, Eifersucht, Pflichten und Trennungen regelte. Solche Beziehungen waren vielerorts bekannt und in den meisten Fällen keineswegs erzwungen. Manche der jüngeren Männer gingen sie bewusst ein, um Schutz, Besitz oder Brautgeld für eine spätere Ehe mit Frauen zu erwerben. Es gab Werbung, Eifersucht, Trennungen und Hochzeitsfeiern mit Tanz, Festessen und symbolischen Brautgaben.
 
Koloniale Behörden und Missionare sahen darin ein moralisches Problem. 1907 untersuchten Henry Taberer und J. Glenn Leary die „mine marriages“ in den Goldminen bei Johannesburg. Der Bericht entstand nach missionarischen Beschwerden und beruhte auf Aussagen afrikanischer und europäischer Zeugen. Solche Untersuchungen beschrieben die Beziehungen meist durch koloniale Begriffe wie „unnatural vice“ (unnatürliches Laster) und werteten sie als moralische Gefahr für Arbeit, Disziplin und christliche Ordnung.
 
Einige stellten „mine marriages“ als Notlösung dar, ausgelöst durch die Abwesenheit von Frauen und die Angst vor Geschlechtskrankheiten. Diese Deutung greift zu kurz. Manche Männer verlängerten ihren Aufenthalt im Bergwerk, um bei ihren „mine wives“ zu bleiben. Andere sprachen später von Zuneigung, Eifersucht und Streit, also von Beziehungen mit emotionalem Gewicht. Die spätere Rückkehr zu Ehen mit Frauen und zu Familie hing auch mit sozialem Druck, drohender Ächtung und fehlenden Möglichkeiten außerhalb der Bergwerke zusammen.


Schwarze, Chinesische und Weiße Arbeiter in einer Goldgrube in Südafrika
zwischen 1890 und 1923
Frank and Frances Carpenter Collection, Library of Congress Prints and Photographs Division, LC-USZ62-40653.
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