Bergbau = Frauenarbeit?

Bergbau = Frauenarbeit?

Tschodelen am Schneeberg

Bergbauregionen waren über Jahrhunderte stark männlich geprägte Arbeitsräume. Trotzdem waren Frauen im Bergbau tätig, etwa beim Scheiden, Waschen, Sortieren, Tragen, Versorgen oder in begleitenden Arbeitsbereichen. In vielen Regionen arbeiteten Frauen auch unter Tage. Später wurden sie jedoch zunehmend aus der eigentlichen Bergmannsarbeit verdrängt. Dieser Ausschluss wurde mit körperlicher Schwäche, Schutzbedürftigkeit, Moralvorstellungen und Aberglauben begründet. Im Bergbau hielt sich lange die Vorstellung, Frauen unter Tage brächten Unglück. Als einzige weibliche Figur war dort ausgerechnet die Heilige Barbara zugelassen, nicht als Arbeiterin, sondern als Schutzpatronin der Bergleute.

Ursprünglich arbeiteten Frauen weltweit Seite an Seite mit den Männern. Auch am Schneeberg war das Sortieren der Erze Frauen- und Kinderarbeit. Man nannte die Erzscheiderinnen auch Tschodelen.

Aber Frauen arbeiteten zunächst auch unter Tage. Die körperlich harte Arbeit in den Stollen, gepaart mit einer moralischen Angst vor Frauen nebst Männern in dunklen Höhlen führte zu einem rigorosen Ausschluss der Frauen von der Bergmannskarriere. 1935 wurde die Arbeit von Frauen unter Tage von der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) sogar verboten. 

Solche Verbote sagen allerdings nur begrenzt etwas über den tatsächlichen Alltag aus. Wenn für Gewerken vor allem Ertrag, Arbeitsleistung und der Fortbestand des Betriebs zählten, stellt sich die Frage, wie streng solche Grenzen wirklich kontrolliert wurden. Aus anderen historischen Arbeitswelten ist bekannt, dass Kleidung gewechselt, Namen angepasst und rechtliche Vorgaben umgangen wurden, wenn Arbeit, Lohn oder Überleben davon abhingen. Warum sollte dies im Bergbau grundsätzlich ausgeschlossen gewesen sein? Lässt sich sicher sagen, dass nie eine Frau in Männerkleidung unter Tage arbeitete, besonders in Zeiten von Arbeitskräftemangel, hoher Nachfrage oder in abgelegenen Revieren? Welche Möglichkeiten hatten Vorgesetzte, dies dauerhaft zu kontrollieren? Und welches wirtschaftliche Interesse hätten Gewerken daran gehabt, leistungsfähige Arbeitskräfte zurückzuweisen, solange sie ihre Arbeit verrichteten? 

Darüber hinaus haben diese zum Schutz gedachten Gesetze auch negative Konsequenzen: Frauen werden von dieser gefährlichen, aber lukrativen Arbeit ausgeschlossen und dadurch in vielen Ländern und Gebieten in noch gefährlichere, weit weniger geschützte Arbeit gezwungen.

Dort, wo viele ledige oder zeitweise von ihren Familien getrennte Männer lebten, entstanden häufig Formen von Sexarbeit. Für viele Frauen war Prostitution in solchen Orten keine freie Wahl, sondern Teil einer prekären Überlebensökonomie, geprägt von Armut, fehlenden Erwerbsmöglichkeiten und sozialer Ausgrenzung. Zugleich reagierten Obrigkeiten ambivalent: Einerseits wurde Prostitution geduldet oder reguliert, andererseits moralisch verurteilt und polizeilich kontrolliert.
 
Noch heute machen Frauen weniger als ein Viertel der weltweit im Bergbau tätigen Menschen aus. Durch den Ausschluss der Frauen aus der Bergbautätigkeit entstand in den Köpfen der meisten Menschen ein Bild des Bergbaus, das sich fast ausschließlich männlich zeichnet. Diese bioessentialistische Reduktion der Frau auf ihre körperliche Schwäche und die damit verbundenen Bedürfnisse für besonderen Schutz führt noch immer zu einer strukturellen Ungleichheit der Geschlechter, auch über den Bergbau hinaus.
 

Tschodelen
Landesmuseum Bergbau, BM_0004242
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