Die Stars
Walther von der Vogelweide
Walther von der Vogelweide, um 1170 geboren und um 1230 gestorben, gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dichter des Mittelalters. Seine Herkunft ist nicht eindeutig geklärt, doch mehrere Hinweise führen in den Südtiroler Raum. Walther wirkte an verschiedenen Höfen und war auf die Unterstützung adeliger Auftraggeber angewiesen. In seinen Minneliedern behandelte er unterschiedliche Formen der Liebe, während er in seinen Sangsprüchen politische, religiöse und gesellschaftliche Konflikte kommentierte. Er war ein politischer Denker, der seine Lieder als scharfe Kommentare zur Reichspolitik nutzte. Seine Melodien waren im ganzen Sprachraum bekannt.
Miniatur von Walther von der Vogelweide aus der Manessischen Liederhandschrift
Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848
Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse)
Zürich, ca. 1300 bis ca. 1340
Miniatur von Walther von der Vogelweide aus der Manessischen Liederhandschrift
Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848
Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse)
Zürich, ca. 1300 bis ca. 1340
Am 12. November 1203 erhielt Walther von der Vogelweide fünf Solidi für ein Pelzgewand. Der Eintrag im Rechnungsbuch Bischof Wolfgers von Erla ist das einzige urkundliche Zeugnis seines Lebens.
Reiseaufzeichnung des Wolfger von Erla Ellenbrechtskirchen.
1204
Fondo Archivio Storico del Comune di Cividale del Friuli, Foglio n. 11v
Reiseaufzeichnung des Wolfger von Erla Ellenbrechtskirchen.
1204
Fondo Archivio Storico del Comune di Cividale del Friuli, Foglio n. 11v
Unter der Linden
"Under der linden"
Ensemble Tempus
In „Unter der linden“ erzählt eine junge Frau von einem heimlichen Liebestreffen. Auf einer Wiese unter einer Linde hat sie mit ihrem Geliebten die Nacht verbracht. Zerdrücktes Gras und Blumen verraten noch später den Ort ihrer Begegnung.
Walther von der Vogelweide entwickelte mit der sogenannten ebenen Minne eine eigene Vorstellung von Liebe zwischen Hoher und Niederer Minne. Sie sollte weder in der unerfüllten Verehrung einer gesellschaftlich höherstehenden Dame bestehen noch auf bloße körperliche Begierde reduziert sein. Entscheidend war die Gegenseitigkeit. Mann und Frau sollten einander lieben und sich freiwillig zuwenden.
„Unter der linden“ kommt diesem Ideal besonders nahe. Die Frau erzählt selbst von Küssen, körperlicher Nähe und ihrer Freude an der gemeinsamen Nacht. Nur die Nachtigall war Zeugin. Ihr „tandaradei“ begleitet die Erinnerung an das heimliche Treffen.
| Under der linden an der heide, dâ unser zweier bette was, Dâ muget ir vinden schône beide gebrochen bluomen unde gras. Vor dem walde in einem tal, tandaradei, schône sanc diu nahtegal. Ich kam gegangen zuo der ouwe: dô was mîn friedel komen ê. Dâ wart ich empfangen, hêre frouwe, daz ich bin saelic iemer mê. Kuster mich? wol tûsentstunt: tandaradei, seht wie rôt mir ist der munt. Dô het er gemachet alsô rîche von bluomen eine bettestat. Des wirt noch gelachet inneclîche, kumt iemen an daz selbe pfat. Bî den rôsen er wol mac, tandaradei, merken wâ mirz houbet lac. Daz er bî mir laege, wessez iemen (nu enwelle got!), sô schamt ich mich. Wes er mit mir pflaege, niemer niemen bevinde daz, wan er und ich. Und ein kleinez vogellîn: tandaradei, daz mac wol getriuwe sîn. |
Unter der Linde, auf der Wiese, dort wo das Bett von uns zweien war, da könnt ihr sehen, liebevoll gebrochen, Blumen und Gras. Vor einem Wald in einem Tal, tandaradei, sang schön die Nachtigall. Ich kam gegangen zu der Wiese: Mein Geliebter war schon vor mir da. Und so begrüßte er mich, heilige Jungfrau, daß ich darüber für immer glücklich bin. Ob er mich küßte? Sicherlich tausendmal: tandaradei, seht, wie rot mein Mund ist. Er hatte aus Blumen ein herrliches Bett hergerichtet. Darüber wird sich jeder von Herzen freuen, der dort vorübergeht. An den Rosen kann er noch gut, tandaradei, erkennen, wo mein Kopf lag. Daß er mit mir schlief, wüßte das jemand (nein bei Gott!), dann schämte ich mich. Was er mit mir tat, niemand jemals soll das wissen außer ihm und mir. Und jenem kleinen Vogel: tandaradei, der wird sicherlich verschwiegen sein. |
Nu al rest
Palästinalied
"Nu al rest"
Ensemble Tempus
„Nu alrest lebe ich mir werde“, heute meist als „Palästinalied“ bezeichnet, gehört zu den bekanntesten Liedern Walthers von der Vogelweide. Es entstand wahrscheinlich in den 1220er-Jahren im Umfeld der Kreuzzüge. Ob es unmittelbar mit dem Kreuzzug Kaiser Friedrichs II. von 1228/29 zusammenhängt, lässt sich nicht sicher feststellen.
Das Lied spricht aus der Sicht eines Pilgers oder Kreuzfahrers, der das Heilige Land erreicht hat. Mit eigenen Augen sieht er nun die Orte, an denen Christus nach christlicher Überlieferung geboren wurde, lebte, starb und auferstand. Daraus entwickelt Walther eine Geschichte des Landes aus christlicher Heilsperspektive. Auch die Ansprüche von Christen, Juden und Muslimen werden angesprochen, wobei der Text den christlichen Anspruch auf das Heilige Land begründet.
Es ist das einzige seiner Werke, dessen Melodie vollständig erhalten ist. Überliefert wurde sie allerdings erst im Münsterschen Fragment aus dem 14. Jahrhundert, rund hundert Jahre nach Walther. Ob diese Melodie genau der zu seinen Lebzeiten gesungenen Fassung entspricht, bleibt deshalb offen.
| Nû alrêst lebe ich mir werde, sît mîn sündic ouge siht daz hêre lant und och die erde, dem man vil der êren giht. Mirst geschehen, des ich ie bat, ich bin komen an die stat, dâ got menschlîchen trat. Schœne lant, rîch unde hêre, swaz ich der noch hân gesehen, sô bist dûz ir aller êre, waz ist wunders hie geschehen: Daz ein maget ein kint gebar, hêre uber aller engel schar, was daz niht ein wunder gar? Hie liez er sich reine toufen, daz der mensche reine sî. dô liez er sich hie verkoufen, daz wir eigen wurden vrî. Anders wæren wir verlorn. wol dir sper, cruze unde dorn! wê dir, heiden! daz ist dir zorn. Dô er sich wolte über uns erbarmen, hie leit er den grimmen tôt, er vil rîche über uns vil armen, daz wir komen ûz der nôt. Daz in dô des niht verdrôz, daz ist ein wunder alze grôz, aller wunder übergenôz. Hinnen vuor der sun zer helle, von dem grabe, dâ er inne lac. des was ie der vater geselle, und der geist, den nieman mac Sunder gescheiden, dêst al ein, sleht unde ebener danne ein zein, alse er Abrahâm erschein. Dô er den tievel dô geschande, daz nie keiser baz gestreit, dô vuor er her wider ze lande. dô huob sich der juden leit, Daz er hêrre huote brach, und daz man in sît lebendic sach, den ir hant sluoc unde stach. Dar nâch was er in deme lande vierzic tage, dô fuor er dar, dannen in sîn vater sande. sînen geist er uns bewar, Den sant er hin wider zehant. heilic ist daz selbe lant, sîn name, der ist vor got erkant. In diz lant hât er gesprochen einen angeslîchen tac, dâ die witwe wirt gerochen und der arme clagen mac Und der weise den gewalt, der dâ wirt an ime gestalt: wol ime dort, der hie vergalt. Unserre lantrehtære tihten fristet dâ niemannes clage, wan er wil dâ zestunt rihten: sô ist ez an dem lesten tage. Und swer deheine schulde hie hât unverebenet, wie der stât dort, dâ er pfant noch bürgen hât. Juden, Cristen unde heiden jehent, daz diz ir erbe sî. got sol uns ze reht bescheiden dur die sîne namen drî. Al diu welt, diu strîtet her: wir sîn an der rehten ger, reht ist, daz er uns wer. Irlât iuch nit verdriezen, daz ich noch gesprochen hân. sô wil ich die rede entsliezen kurzwîlen und ouch wizzen lân, Swaz got wunders hie noch lie, mit der welte ie begie, daz huob sich dort und endet hie. |
Nun erst lebe ich mir würdig, weil mein sündiges Auge das hehre Land und auch die Erde sieht, die man so vieler Ehren rühmt. Nun ist geschehen, worum ich immer bat: ich bin an den Ort gekommen, den Gott als Mensch betrat. Schöne Länder, reich und herrlich, welche ich da noch gesehen habe, du übertriffst sie alle. Welche Wunder sind hier geschehen! Dass eine Jungfrau ein Kind gebar, hoch erhaben über aller Engel Schar, war das nicht etwa ein Wunder? Hier ließ er sich rein taufen, damit der Mensch rein werde. Dann ließ er sich hier verkaufen, damit wir Unfreien frei würden. Sonst wären wir verloren. Wohl dir, Speer, Kreuz und Dorn(enkrone)! Weh dir, Heidenschaft! Das erregt deinen Zorn. Als er sich unser erbarmen wollte, erlitt er hier den grimmigen Tod, er, der mächtige, um uns Armer willen, damit wir gerettet würden. Dass er das nicht ablehnte, das ist ein allzugroßes Wunder, größer als alle anderen Wunder. Von hier fuhr der Sohn zur Hölle, aus dem Grab, darin er lag. Daher, was der Vater immer vereinte und der Geist, den nichts von ihnen scheiden kann: sie sind alle Eins, schlicht und ebener als ein Pfeilschaft, wie er Abraham erschienen war. Nachdem er dort den Teufel besiegte, wie nie ein Kaiser besser kämpfte, kam er wieder in dieses Land zurück. Damit begann das Leid der Juden, weil er, der Herr, ihrer Haft entkam und man ihn später lebend sah, den sie erschlugen und erstochen haben. Danach verweilte er in dem Land vierzig Tage lang. Dann ging er dahin zurück, von wo ihn sein Vater ausgesandt hatte. Seinen Geist, der uns schützen möge, sandte er sogleich wieder dorthin. Dieses Land ist heilig, denn sein Name stammt von Gott. In diesem Land hat er einen schrecklichen (Gerichts)tag angekündigt, an dem die Witwe gerächt wird und der Waise klagen kann, und (wie auch) der Arme, von der Gewalt die man ihm angetan hat. Wohl ihm dort, der hier vergalt! (Nicht) wie unsere Landesrichter es täten, wird da niemandes Klage aufgeschoben, denn er wird dort zur Stunde richten, so wird es sein am letzten Tag: Wer hier irgendeine Schuld unbeglichen hinterlässt, wie steht der da, dort, wo er weder Pfand noch Bürgen hat! Christen, Juden und Heiden behaupten, dass dies ihr Erbe sei. Gott müsste es gerecht entscheiden, durch die drei seiner Namen. Die ganze Welt bekriegt sich hier. Wir sind mit unserer Bitte im Recht, und daher ist es Recht, dass er sie uns gewähre. Nun lasst euch davon nicht verdrießen, dass ich noch weitererzählt habe. Ich will euch die Rede erklären in aller Kürze und euch wissen lassen, das was Gott mit den Menschen seither an Wundern in der Welt begonnen hat, das hat hier angefangen und wird hier enden. |
Oswald von Wolkenstein
Oswald von Wolkenstein, 1377 auf Burg Schöneck im Pustertal geboren und 1445 in Meran gestorben, markiert den Übergang vom traditionellen Minnesang zu neuen musikalischen Formen. Seine Lieder brachen mit den starren Regeln der höfischen Dichtung und erzählten ungefiltert von Saufgelagen, harten Gefängnisstrafen, handfesten Ehestreitigkeiten und dem Schmerz des Alterns. Er machte sich selbst zum Hauptdarsteller seiner Musik.
Als Diplomat lernte er in Frankreich und Italien mehrstimmige Musik kennen und übernahm ihre Techniken in sein eigenes Repertoire. Oswald ließ seine Werke in zwei reich ausgestatteten Handschriften sammeln. Dadurch sind zahlreiche Texte und Melodien erhalten.
Porträt Oswald von Wolkenstein in der Handschrift „B“ seiner Lieder
1432
Universitäts- und Landesbibliothek Tirol.
Foto: Watzek Photografie, Hall i. Tirol.
Als Diplomat lernte er in Frankreich und Italien mehrstimmige Musik kennen und übernahm ihre Techniken in sein eigenes Repertoire. Oswald ließ seine Werke in zwei reich ausgestatteten Handschriften sammeln. Dadurch sind zahlreiche Texte und Melodien erhalten.
Porträt Oswald von Wolkenstein in der Handschrift „B“ seiner Lieder
1432
Universitäts- und Landesbibliothek Tirol.
Foto: Watzek Photografie, Hall i. Tirol.
Frölich zärtlich lieplich und klärlich
"Frölich zärtlich lieplich und klärlich"
Ensemble Tempus
Oswald von Wolkensteins Lied „Frölich zärtlich lieplich und klärlich“ (Kl. 53 nach Karl Kurt Klein) beginnt wie ein Tagelied. Der Morgen bricht an, die Frau soll erwachen. Im traditionellen Tagelied bedeutet dieser Moment meist das Ende einer Liebesnacht, mit dem Tageslicht müssen sich die Liebenden trennen. Nicht so bei Oswald: Die Frau soll aufstehen, zum Tanz kommen, und aus dem morgendlichen Weckruf wird ein zunehmend erotisches Lied.
In der zweiten Strophe richtet Oswald den Blick auf den Mund seiner Geliebten und reiht ungewöhnliche Wortbildungen wie „lunzlocht“, „munzlocht“ oder „wisplocht“ aneinander. Einige dieser Wörter lassen sich heute nicht mehr eindeutig übersetzen. Entscheidend ist ihr Klang: Sie erinnern an Flüstern, Schmeicheln und Küssen. In der letzten Strophe wird die Beschreibung unmissverständlich körperlich. Oswald ersehnt sich körperliche Nähe Mund an Mund, Zunge an Zunge, Brust an Brust und Bauch an Bauch.
Oswald gestaltete das französische Rondeau „En tes doulz flans“ als Kontrafraktur um, indem er die ursprüngliche Melodie aus dem 14. Jh. für seinen eigenen deutschen Text nutzte.
| Frölich, zärtlich, lieplich und klärlich lustlich, stille, leise, in senfter, süesser, keuscher, sainer weise wach, du minnikliches, schönes weib, reck, streck, preis dein zarten, stolzen leib! Sleuss auff dein vil liechte euglin klar! taugenlich nim war, wie sich verschart der sterne gart in der schönen, haitern, klaren sunnen glanz! wolauff zue dem tanz! machen ainen schönen kranz von schaunen, praunen, plawen, grawen, gel, rot, weiss, viol plüemlin spranz. Lunzlocht, munzlocht, klunzlocht und zisplocht, wisplocht, freuntlich sprachen auss waidelichen, gueten, rainen sachen sol dein pöschelochter, roter munt, der ser mein herz tiefflich hat erzunt Und mich fürwar tausent mal erweckt, freuntlichen erschreckt auss slaffes traum, so ich ergaum ain so wolgezierte, rote, enge spalt, lächerlich gestalt, zendlin weiss darin gezalt, trielisch, mielisch, vöslocht, röslocht, hel zu fleiss waidelich gemalt. Wolt si, solt si, tät si und käm si, näm si meinem herzen den senikleichen, grossen, herten smerzen, und ain prüstlin weiss darauff gesmuckt, secht, slecht wär mein trauren da verruckt. Wie möcht ain zart seuberliche diern tröstlicher geziern das herze mein an allen pein mit so wunniklichem, lieben rainen lust? mund mündlin gekust, zung an zünglin, prüstlin an prust, pauch an peuchlin, rauch an reuchlin snell zu fleiss allzeit frisch getust. |
Fröhlich, zärtlich, lieblich und klärlich, anmutig, still und leise, in sanfter, süßer, keuscher, träger Weise erwache, du liebenswertes, schönes Weib, reck, streck, zeig deinen zarten, prächtigen Leib! Schließ auf deine hellen Äuglein so klar! Heimlich nimm′s wahr, wie sich verliert der Sternengarten in der schönen, heitren, klaren Sonne Glanz. Wohl auf zum Tanz! Flicht uns einen schönen Kranz der leucht von braunen, blauen, grauen, gelb-rot-weißen, violetten Blümlein ganz. Sanft sich öffnen, schmeicheln, lispeln, wispern, flüstern in süßen Sprachen von ergötzlichen, guten, reinen Sachen soll dein voller roter Mund der so lieblich mein Herz hat entzündet und mich fürwahr schon tausendmal geweckt, freundlich aufgeschreckt aus des Schlafes Traum, wenn ich geschaut einen so wohlgeformten, roten, engen Spalt, in des Lächelns Gestalt, Zähnchen weiß darin gereiht, Lippen nippen koslich roslich, sind so hell, herrlich hingemalt. Wollt sie, sollt sie, würd sie und käm sie, nähm sie meinem Herzen die sehnsuchtsvollen, großen, harten Schmerzen, und ein Brüstlein weiß darauf gedrückt, seht, so leichthin wär mein Trauern ferngerückt. Wie könnt ein zartes, liebes Mädchen fröhlicher wohl schmücken das Herze mein ohn arge Pein mit so wonnevoller, zarter, reiner Lust? Mund Mündlein geküsst, Zung an Zünglein, Brüstlein an Brust, Bauch an Bäuchlein, Busch an Büschlein, schnell mit Eifer nur munter gedrückt. |
Grasselik lif
"Grasselik lif"
Ensemble Tempus
Mit „Grasselick lif“ (Kl 96) schrieb Oswald von Wolkenstein ein Liebeslied in einer Sprache, die niederländisch beziehungsweise flämisch klingen soll. Der Text ist keine saubere Wiedergabe einer einzelnen Sprache. Niederdeutsche, niederländische und oberdeutsche Formen stehen nebeneinander.
Schon der Titel wurde lange missverstanden. „Grasselick“ hat hier nichts mit „grässlich“ zu tun, sondern dürfte auf mittelniederländisch „gracelijc“ beziehungsweise „graselijc“ zurückgehen und „lieblich“ oder „anmutig“ bedeuten. Das Lied beginnt also mit der Anrede an eine geliebte Frau. Nach längerer Trennung folgt das Wiedersehen. Beide versichern einander ihre Zuneigung und wünschen sich, nur dem jeweils anderen verbunden zu sein.
| Grasselick lif, war hef ick dick verloren all dise lange, sütten summertit? Dat gi mi komt tu vorn, so left min hert in grot jolit. Geilicken fro, all telich sunder truren tüt jo frowen lan einig minen lif! Dat gschol ick nit verluren, mit willen gschin dein einig wif. Freuntlicker gschat, dat slot müt gschin verbunden und so keiserlick wol verrigelt sir. Erst hef ick freude funden, und welt min hert kain andern mier |
Liebliche Geliebte, wo warst du mir verloren all diese lange, süße Sommerzeit? Nun, da du wieder vor mir stehst, lebt mein Herz in großer Freude. Fröhlich und ohne alle Trauer lass mich allein dir Freude schenken, meine Liebe! Darauf will ich nicht verzichten, aus freiem Willen will ich allein die Deine sein. Liebster Schatz, das Schloss soll geschlossen und fest und sicher verriegelt sein. Nun erst habe ich Freude gefunden, und mein Herz begehrt keinen anderen mehr. |
Neidhart von Reuental
Neidhart wirkte in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunders zunächst im bayerischen, später wohl im österreichischen Raum. Über sein Leben ist nur wenig bekannt. Umso größer war die Wirkung seiner Lieder: Noch Jahrhunderte später wurden sie abgeschrieben, gesungen und unter seinem Namen weitergedichtet.
Neidhart übernahm Formen und Sprache des höfischen Minnesangs, verlegte das Geschehen aber häufig aufs Dorf. Dort treten Bauern-burschen in modischer Kleidung auf, tanzen, werben um Frauen, streiten und prügeln sich. Auch der Sänger selbst gerät als Liebender immer wieder mit ihnen aneinander. Die höfische Welt und ihre Regeln werden dabei mit einer bewusst derben Gegenwelt konfrontiert.
Herr Neidhart
Heidelberg, Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848
Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse)
Zürich, ca. 1300 bis ca. 1340
Neidhart übernahm Formen und Sprache des höfischen Minnesangs, verlegte das Geschehen aber häufig aufs Dorf. Dort treten Bauern-burschen in modischer Kleidung auf, tanzen, werben um Frauen, streiten und prügeln sich. Auch der Sänger selbst gerät als Liebender immer wieder mit ihnen aneinander. Die höfische Welt und ihre Regeln werden dabei mit einer bewusst derben Gegenwelt konfrontiert.
Herr Neidhart
Heidelberg, Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848
Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse)
Zürich, ca. 1300 bis ca. 1340
Winder, dîniu meil
"Winder, dîniu meil"
Ensemble Tempus
„Winder, dîniu meil“ gehört zu Neidharts Winterliedern. Schon der Beginn setzt die Jahreszeit mit Verlust gleich: Die Spuren des Winters zerstören Wald, Blumen und Heide, die Freude des Sommers ist vergangen. An diese Winterklage schließt Neidhart seine eigene an. Seit Langem dient er einer Frau, doch sein Minnedienst bleibt ohne den erhofften Lohn. Selbst seine Treue scheint daran nichts zu ändern.
Wie häufig bei Neidhart bleibt es nicht bei höfischer Liebesklage. Bauernburschen treten als Konkurrenten um die Frau auf, werden beim Namen genannt, verspottet und bedroht. Engelmâr, Erphe, Adelwin und andere „Dörper“ machen dem Sänger das Leben schwer. Einer von ihnen hat einer Frau sogar den Spiegel von der Seite gerissen. Der Sänger selbst beschreibt inzwischen sein Haar als weiß wie Eis. Nicht das Alter allein habe ihn grau gemacht, sondern die ständigen Niederlagen in Liebe und Konkurrenz.
Gerade dieser Wechsel zwischen Minnesang und derber Dorfwelt ist für Neidharts Lieder typisch. Die höfischen Regeln der Minne bleiben erkennbar, werden aber mit Eifersucht, Spott, Streit und handfesten Drohungen konfrontiert.
| Winder, dîniu meil diu verderbent uns den walt, die bluomen und die heide sam. Sumer, dîn gesinde ist allez worden vreudenlôs. Manic herze geil hât ze trûren sich gestalt, den allen vreude wol gezam. Wie zimt einem wîbe, diech vür elliu wîp erkôs, daz si nie mir vervie mînen sanc ze guote, den ich ir mit dienste willeclîchen sanc unde stên noch hiute in mîner huote, daz si an mîner staete nindert vindet dwerhen schranc? Sol mîn staetikeit und der lange dienest mîn erwerben niht wan ir versagen, sô muoz mich von schulden riuwen, daz ichs ie began. Mirst iedoch geseit, die da staete kunnen sîn, daz si gelücke wol bejagen. Vrouwe Saelde, ûf dînen trôst ich noch die guoten man, daz si ir strît unde ir nît gein ir vriunden lâze. Tuot si daz, sô wirt daz ende lîhte guot. Schaffe ir ungenâden eine mâze! Wê, daz immer wîp an guoten vriunden missetuot! Von der staete mîn bin ich nîdes überladen. Nu hœret, vriunde, mîne klage! Râtes unde lêre der bedorfte ich nie sô wol. Erphe und Adelwin tuont mir ungedienet schaden, daz eltet mich ê mîner tage. Niemen sol des wænen, deichz mit guotem willen dol. Ditze jâr sunderbâr wurbens umbe ir minne, diu mir hiute und immer ist vür elliu wîp. Vrouwe, mînes herzen küneginne, du solt nimmer man getrœsten vür mîn eines lîp. Dîner ôren tür müezen dir verslozzen sîn, dazs immer iht von in vernemen, die mîn wider dich gedenken anders danne wol! Ô lâ die rede vür, herzenliebiu vrouwe mîn, die dir ze hœren niht gezemen! Solher lêr man guoten vriunden gerne volgen sol. Künebreht, Engekneht, zwêne tozelaere, muotent dîner êren: vrouwe, den versage! Daz ist mînes lieben herzen swære, der ich tougenlîche vil in mînem herzen trage. Schouwet an mîn hâr, daz gevar ist als ein îs! Daz grâwet mir, des ist niht rât, wande mir von getelingen niwan leit geschach. Jener Engelmâr, von des schulden bin ich grîs, der hiute noch den spiegel hât, den er dörper Vriderûnen von der sîten brach. Von der zît immer sît warp ich nimmer mêre, ich enhiete ein iedeniuwez herzenleit. Daz ist mînes leiden herzen sêre von der liebe, die mîn herze sînem liebe treit. Von hinnen unz an den Rîn, von der Elbe unz an den Phât, diu lant diu sint mir elliu kunt: diu enhabent niht sô manegen hiuzen dorefman, als ein kreizelîn wol in Oesterrîche hât; dâ ist inne manic niuwer vunt. Seht, daz prüevet einer, der mir lützel guotes gan! Wankelbolt, selten holt was er mir mit triuwen. Er ist scharemeister in dem Lugetal: daz mac jenen gouch vil wol geriuwen. Kumt er mir ze râme, ich dürkel im die hirneschal. Bî dem Lugebach ener mit gewalte vert: er wænet in den lüften sweben. Sîne triuwe habent aberhâken als ein ger. Michel ungemach was mir ie von im beschert; daz ist im noch vil unvergeben: daz beweinent viere und dar zuo etelîcher mêr. Lachent an er den man snîdet mit der zungen. Wê der muoter, diu in mir ze schaden truoc! Nû bin ich beswæret von dem jungen, daz ich hân von sînen schulden nindert genden phluoc. Liebe mir geschach: wær diu liebe alsô beliben! Ich kom, dâ ich vil rôsen vant. Seht, der brach ich eine! Diu wart schiere dô verlorn. Leit und ungemach hât mir vreude vil vertriben. Ich sage iu, waz mir wart bekant: dô ich si brach, dô tet mir wê ein ungevüeger dorn, daz ich vil gewisse enwil nimmer rôsen brechen, ichne sehe, ob iz der rehten einiu sî. Sumelîche rôsen kunnen stechen, rehte rôsen die sint aller wandelunge vrî. |
Winter, deine Spuren verderben uns Wald, Blumen und Heide zugleich. Sommer, dein ganzes Gefolge ist freudlos geworden. Manches fröhliche Herz hat sich der Trauer zugewandt, obwohl ihm Freude so gut stand. Wie passt es zu einer Frau, die ich vor allen Frauen erwählt habe, dass sie niemals meinen Gesang günstig aufnahm, den ich ihr bereitwillig in treuem Dienst sang? Noch heute bleibe ich beständig, damit sie an meiner Treue nirgends ein Abweichen findet. Wenn meine Beständigkeit und mein langer Dienst nichts als ihre Zurückweisung einbringen, muss ich zu Recht bereuen, dass ich je damit begann. Doch hat man mir gesagt, dass jene, die beständig bleiben, am Ende ihr Glück finden können. Frau Glück, auf deine Hilfe vertraue ich und mahne die Gute, ihren Streit und ihren Groll gegen ihren Freund aufzugeben. Tut sie das, kann am Ende noch alles gut werden. Setze ihrer Ungnade ein Maß! Weh, dass eine Frau einem guten Freund je Unrecht tut! Wegen meiner Treue bin ich voller Sorge über den Neid anderer. Nun hört, Freunde, meine Klage! Rat und guten Rat brauchte ich noch nie so sehr. Erphe und Adelwin fügen mir unverdient Schaden zu, das lässt mich vor der Zeit altern. Niemand soll glauben, dass ich das freiwillig ertrage. Gerade in diesem Jahr warben sie um die Liebe jener Frau, die mir heute und immer über allen anderen Frauen steht. Herrin, Königin meines Herzens, du sollst keinem anderen Mann vor mir Trost schenken. Die Türen deiner Ohren sollen fest verschlossen sein, damit du niemals auf jene hörst, die bei dir gegen mich reden und mir nichts Gutes wollen. Lass solche Worte unbeachtet, meine herzliebe Herrin, denn sie sind es nicht wert, dass du sie anhörst. Dem Rat guter Freunde dagegen soll man gerne folgen. Künebreht und Engekneht, zwei Verleumder, werben um deine Gunst: Herrin, weise sie zurück! Das ist die Last meines liebenden Herzens, die ich heimlich tief in mir trage. Seht mein Haar an, seine Farbe gleicht dem Eis! Es wird grau, und dagegen gibt es kein Mittel, denn diese Burschen haben mir nichts als Leid gebracht. Jener Engelmar ist schuld daran, dass ich grau werde, jener Dörper, der noch heute den Spiegel besitzt, den er Friderun von der Seite riss. Seit jener Zeit habe ich niemals mehr geworben, ohne immer neuen Herzschmerz zu erleiden. Darin liegt der Schmerz meines leidenden Herzens, verursacht von der Liebe, die es seiner Geliebten entgegenbringt. Von hier bis an den Rhein, von der Elbe bis an den Phât sind mir all diese Länder bekannt: Nirgends gibt es so viele übermütige Dorfburschen wie in einem einzigen kleinen Bezirk hier in Österreich; dort findet man immer neue sonderbare Gestalten. Einer beweist es, der mir kaum etwas Gutes gönnt: Wankelbolt, der mir nur selten ein treuer Freund gewesen ist. Er ist der Anführer der Schar im Lugetal. Dieser Narr wird das vielleicht noch bereuen. Kommt er mir in die Quere, durchbohre ich ihm den Schädel. Am Lugebach zieht einer großspurig umher: Er glaubt, er schwebe in den Lüften. Seine Treue trägt Widerhaken wie ein Speer. Viel Ungemach hat er mir schon bereitet, und das habe ich ihm noch lange nicht verziehen. Vier beklagen sich darüber, und noch einige mehr. Lachend schneidet er die Menschen mit seiner Zunge. Weh der Mutter, die ihn zu meinem Schaden geboren hat! Dieser junge Mann bedrückt mich schwer und hat mir großen Schaden zugefügt. Liebe wurde mir zuteil: Wäre sie doch so geblieben! Ich kam an einen Ort, an dem ich viele Rosen fand. Seht, eine davon pflückte ich, doch bald war sie verloren. Leid und Ungemach haben mir viel von meiner Freude genommen. Ich sage euch, was ich dabei erfahren habe: Als ich die Rose brach, verletzte mich ein scharfer Dorn. Darum will ich ganz gewiss keine Rose mehr pflücken, bevor ich nicht weiß, ob sie eine echte ist. Manche Rosen können stechen, echte Rosen aber sind frei von jedem Makel. |
Hartmann von Starkenberg
Hartmann von Starkenberg war ein Minnesänger des 13. Jahrhunderts und gehörte wahrscheinlich dem Tiroler Ministerialengeschlecht der Starkenberger an, das auf Burg Starkenberg bei Imst ansässig war. Seine genaue Identität ist jedoch nicht gesichert. Von ihm sind drei Minnelieder überliefert, in denen vor allem die Liebe zu einer fernen, unerreichbaren Frau behandelt wird. Erhalten sind sie im Codex Manesse, der Hartmann auch in einer eigenen Miniatur darstellt.
Hartmann von Starkenberg
Heidelberg, Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848
Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse)
Zürich, ca. 1300 bis ca. 1340
Hartmann von Starkenberg
Heidelberg, Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848
Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse)
Zürich, ca. 1300 bis ca. 1340
Der wilde Alexander
Der Wilde Alexander, auch Meister Alexander genannt, war ein fahrender Sänger und Spruchdichter des 13. Jahrhunderts, der vermutlich aus Süddeutschland stammte. Seine Lieder und Sangsprüche behandeln Minne, religiöse und moralische Fragen sowie zeitgenössische politische Ereignisse. Mehrere seiner Melodien sind erhalten, wodurch sein Werk auch für die mittelalterliche Musikgeschichte von besonderer Bedeutung ist. Seine Texte sind unter anderem im Codex Manesse und in der Jenaer Liederhandschrift überliefert.
Der wilde Alexander
Heidelberg, Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848
Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse)
Zürich, ca. 1300 bis ca. 1340
Der wilde Alexander
Heidelberg, Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848
Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse)
Zürich, ca. 1300 bis ca. 1340
Heinrich von Morungen
Heinrich von Morungen war einer der bedeutendsten Minnesänger um 1200. Wahrscheinlich stammte er aus dem mitteldeutschen Raum und stand zeitweise im Umfeld des Markgrafen von Meißen. Seine Lieder gehören zur höfischen Liebeslyrik und zeichnen sich durch besonders bildreiche Sprache aus. Häufig erscheint die geliebte Frau als unerreichbare, beinahe überhöhte Gestalt. Im Codex Manesse wird Morungen entsprechend als liebeskranker Sänger dargestellt, der erschöpft auf seinem Lager ruht. Überliefert ist sein Werk vor allem in dieser Handschrift.
Herr Heinrich von Morungen
Heidelberg, Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848
Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse)
Zürich, ca. 1300 bis ca. 1340
Herr Heinrich von Morungen
Heidelberg, Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848
Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse)
Zürich, ca. 1300 bis ca. 1340
Rudolf von Neuenburg
Rudolf von Neuenburg, auch Rudolf von Fenis genannt, war ein Graf und Minnesänger des späten 12. Jahrhunderts. Wahrscheinlich ist er mit dem zwischen 1158 und 1192 belegten Grafen Rudolf II. von Neuenburg in der heutigen Schweiz identisch. Seine Lieder gehören zur frühen Phase des hohen Minnesangs und behandeln vor allem die unerfüllte Liebe und den Dienst an einer höhergestellten Frau. Auffällig ist der starke Einfluss der französischen und provenzalischen Liebeslyrik, der sich in Form und Motiven seiner Lieder erkennen lässt.
Graf Rudolf von Neuenburg
Heidelberg, Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848
Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse)
Zürich, ca. 1300 bis ca. 1340
Graf Rudolf von Neuenburg
Heidelberg, Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848
Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse)
Zürich, ca. 1300 bis ca. 1340
Konrad von Altstetten
Konrad von Altstetten war ein Minnesänger des späten 13. oder frühen 14. Jahrhunderts und stammte aus einem Ministerialengeschlecht im Umfeld des Klosters St. Gallen. Von ihm sind drei Minnelieder mit insgesamt 13 Strophen erhalten. Sie verbinden Naturbilder mit Frauenpreis und Minneklage und zeigen teilweise den Charakter von Tanzliedern. Überliefert sind seine Lieder ausschließlich im Codex Manesse, dessen Miniatur ihn in inniger Nähe zu einer Dame mit einem Falken zeigt.
Herr Konrad von Altstetten
Heidelberg, Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848
Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse)
Zürich, ca. 1300 bis ca. 1340
Herr Konrad von Altstetten
Heidelberg, Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848
Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse)
Zürich, ca. 1300 bis ca. 1340
Friedrich von Sonnenburg
Friedrich von Sonnenburg war ein fahrender Sänger und Spruchdichter des 13. Jahrhunderts, der vermutlich aus dem Pustertal stammte. Seine Sangsprüche behandeln religiöse und moralische Fragen ebenso wie politische Themen und die Lebensbedingungen fahrender Künstler. Dabei spricht er auch die Abhängigkeit der Sänger von der Freigebigkeit ihrer adeligen Auftraggeber an. Seine Werke sind in mehreren bedeutenden Handschriften überliefert, darunter im Codex Manesse und in der Jenaer Liederhandschrift.
Meister Friedrich von Sonnenburg
Heidelberg, Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848
Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse)
Zürich, ca. 1300 bis ca. 1340
Meister Friedrich von Sonnenburg
Heidelberg, Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848
Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse)
Zürich, ca. 1300 bis ca. 1340
Dietmar der Setzer
Dietmar der Setzer war ein fahrender Spruchdichter des 13. Jahrhunderts, über dessen Leben nur wenig bekannt ist. Von ihm sind vier Sangsprüche erhalten, in denen er unter anderem vor falschen Propheten warnt und die Freigebigkeit adeliger Herren einfordert. Damit greifen seine Texte ein wichtiges Thema fahrender Sänger auf, deren Lebensunterhalt von der Unterstützung ihrer Auftraggeber abhing. Im Codex Manesse wird Dietmar als Ritter bei einem Turnier dargestellt, seine tatsächliche adelige Herkunft ist jedoch nicht gesichert.
Herr Dietmar der Setzer
Heidelberg, Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848
Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse)
Zürich, ca. 1300 bis ca. 1340
Herr Dietmar der Setzer
Heidelberg, Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848
Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse)
Zürich, ca. 1300 bis ca. 1340
Kristan von Hamle
Kristan von Hamle war ein Minnesänger aus den ersten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts und stammte vermutlich aus dem mitteldeutschen, vielleicht thüringischen Raum. Über sein Leben ist nichts Sicheres bekannt, urkundlich ließ er sich bislang nicht nachweisen. Seine Lieder gehören zum höfischen Minnesang und kreisen vor allem um Liebe, Frauenpreis und die Hoffnung auf Erfüllung der Minne. Überliefert sind sie im Codex Manesse, der Kristan auch in einer eigenen Miniatur darstellt.
Herr Kristan von Hamle
Heidelberg, Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848
Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse)
Zürich, ca. 1300 bis ca. 1340
Herr Kristan von Hamle
Heidelberg, Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848
Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse)
Zürich, ca. 1300 bis ca. 1340