Sonderausstellung: Lichtblicke.

Was hat Pride mit Bergbau zu tun? Auf den ersten Blick vielleicht wenig. Bei genauerem Hinsehen aber sehr viel, denn Bergbaugeschichte erzählt von Arbeit, Körpern, Hierarchien, Kameradschaft, Recht, Migration, Abhängigkeit und Gemeinschaft. Sie erzählt von Welten, die noch immer überwiegend männlich beschrieben werden. Gerade dort lohnt sich die Frage, welche Lebensgeschichten kaum überliefert, verschwiegen oder erst in Gerichtsakten sichtbar wurden.

Mit der Ausstellung „Lichtblicke.“ nimmt das Landesmuseum Bergbau den Pride Month zum Anlass, diesen Fragen nachzugehen. Pride steht für Sichtbarkeit, gleiche Rechte und Solidarität. Zugleich erinnert Pride daran, dass queere Menschen in vielen Zeiten und Gesellschaften ausgegrenzt, verfolgt oder aus der Geschichtsschreibung verdrängt wurden. „Lichtblicke.“ greift diese Themen auf und führt sie in ein Feld, in dem sie bisher selten behandelt wurden: in die Geschichte des Bergbaus und seiner sozialen Ordnungen.
Die Ausstellung führt von der Antike bis in die jüngere Vergangenheit und erzählt neben dem historischen Kontext die Geschichten von Menschen, deren damaliges Verhalten wir heute vielleicht als „queer“ beschreiben würden. Manche Spuren sind deutlich, andere bleiben bruchstückhaft. Viele Menschen konnten ihre Beziehungen, Wünsche oder Identität nicht offen leben. In Gerichtsakten, Chroniken, Briefen oder Verwaltungsdokumenten erscheinen sie meist erst dann, wenn sie verfolgt, verspottet oder bestraft wurden. 

Sowohl bekannte historische Persönlichkeiten als auch bisher wenig beachtete Biografien aus der Welt des Bergbaus treten dadurch ins Licht und erhalten eine Stimme: von Michelangelo und König Edward II über die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung Homosexueller bis hin zur einzigen noch im unterirdischen Bergbau tätigen Frau in Deutschland. 
„Lichtblicke.“ verbindet historische Forschung mit Fragen, die bis heute relevant sind. Wer wird in Archiven sichtbar? Welche Lebensformen wurden anerkannt, welche verschwiegen oder kriminalisiert? Wie verändern sich Begriffe, Normen und Machtverhältnisse? Die Ausstellung gibt keine einfachen Antworten. Sie öffnet einen Raum für Geschichten, die lange am Rand standen, und zeigt, dass Bergbaugeschichte immer auch Sozialgeschichte, Körpergeschichte und Beziehungsgeschichte ist.
Die Ausstellung ist ab 7. Juni kostenlos online zugänglich. Von Ende Juni bis Ende August ist sie außerdem kostenlos an den Standorten des Landesmuseums Bergbau zu sehen.
 
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